6.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Trotz der nicht vorhersehbaren weiteren Entwicklung der COVID-19-Pandemie wird für 2021 in Deutschland mit einer Erholung der Konjunktur vor allem aufgrund von Nachholeffekten im Konsumbereich gerechnet. Dennoch bestehen weiterhin hohe Unsicherheiten in der Prognose von Höhe und Zeitraum der wirtschaftlichen Erholung. So fiel der Ifo-Geschäftsklimaindex (Stand Ende Januar 2021) wieder deutlich nach einer zwischenzeitlichen Erholung und auch die Projektion der Bundesregierung für das Jahr 2021 liegt unter der Prognose des Sachverständigenrates vom November 2020. Für das Gesamtjahr 2021 erwartet die Bundesregierung eine Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von 3,0%. Der Sachverständigenrat ging im November 2020 noch von +3,7% aus. Der Grund hierfür liegt in den verschärften und verlängerten Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen, die der Rat in seiner November-Prognose noch nicht berücksichtigen konnte. Dennoch ist diese Einschätzung mit hoher Unsicherheit behaftet. Risiken ergeben sich insbesondere im Hinblick auf den weiteren Pandemieverlauf, der weitreichendere Eindämmungsmaßnahmen erforderlich machen könnte, als unterstellt. Darüber hinaus könnten aufgrund länger anhaltender Einschränkungen auch negative Effekte auf die Wertschöpfung im bislang robusten Produzierenden Gewerbe übergreifen. Weitere potenzielle Risiken ergeben sich insbesondere durch die im globalen Umfeld hohe Verschuldung des Unternehmenssektors, die hohe Verschuldung von Staaten sowie mögliche Überhitzungen an Finanz- und Immobilienmärkten. Eine bessere Entwicklung als erwartet könnte sich ergeben, wenn die Pandemie schneller als unterstellt überwunden werden kann und aufgeschobene Ausgaben großflächiger nachgeholt werden als angenommen.

Insbesondere die Wohnungsmärkte in den wirtschaftsstarken Metropolregionen sind grundsätzlich als stabil einzuschätzen. Unverändert ist eine hohe Nachfrage von Mietern, Eigennutzern und Kapitalanlegern festzustellen, wenngleich auch auf etwas geringerem Niveau als vor Beginn der COVID-19-Pandemie. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind insgesamt jedoch schwer abschätzbar. Grundsätzlich erwarten wir höhere Mietausfälle und längere Wiedervermietungszeiten. Bei Handels- und Gastronomieflächen wird es zu erheblichen Mietausfällen kommen. Inwieweit sich eine mögliche weitere Verschlechterung des konjunkturellen Umfeldes sowie die Folgen der Transformation zur E-Mobilität negativ auf die Automobilbranche in Baden-Württemberg als dem wichtigsten regionalen Wohnungsmarkt der GWG-Gruppe auswirken werden, bleibt abzuwarten. Als eindeutig nachteilig ist die weitere Verschärfung der Mietgesetzgebung zu beurteilen, da sie die Umsetzung künftiger Mietsteigerungspotenziale und auch die Möglichkeiten im Zusammenhang mit Modernisierungen insgesamt begrenzt. Die Entwicklung in der Energie- und Steuergesetzgebung bleibt abzuwarten, jedoch sind auch hier deutliche Tendenzen zu erkennen, die bereits kurzfristig eine deutlich stärkere Beteiligung der Eigentümerseite an diesen Kosten erwarten lassen.

Unter der Annahme unveränderter steuerlicher und rechtlicher Rahmenbedingungen geht die GWG Gruppe trotz der negativen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie von einer stabilen Geschäftsentwicklung aus.