Brief des Vorstands

Sehr geehrte Aktionäre, Geschäftspartner und Kunden,
Sehr geehrte Damen und Herren,

was für ein Jahr! Einerseits durften wir uns über das 70-jährige Firmenjubiläum der GWG-Gruppe freuen, andererseits wurde das Jahr 2020 hauptsächlich durch das Coronavirus geprägt, das in die Geschichtsbücher eingehen und die Welt wohl noch länger in Atem halten wird. Umso mehr freuen wir uns, dass wir trotz Pandemie unsere positive Entwicklung weiter fortsetzen konnten und Ihnen erneut ein sehr gutes Jahresergebnis präsentieren können.

Trotz der allgemeinen Eintrübung der wirtschaftlichen Lage konnte die GWG-Gruppe das Ergebnis vor Steuern vor allem bedingt durch erfolgreich durchgeführte Transaktionen, die zum Teil noch aus dem Vorjahr datierten und vom Ergebnis her höher als geplant ausfielen, von € 36,8 Mio. auf € 38,6 Mio. steigern. Vor diesem Hintergrund stieg auch der Jahresüberschuss auf € 27,9 Mio. (Vorjahr: € 26,0 Mio.). Auch bilanziell führten diese Ergebnisse zu einer weiterhin stabilen Entwicklung. Die Eigenkapitalquote unter Berücksichtigung der stillen Reserven in den Immobilienbeständen liegt weiterhin über 50 %. Diese vorteilhafte Situation ermöglicht es uns, selbstbestimmt Marktopportunitäten wahrzunehmen und unser Portfolio strategisch kontinuierlich weiterzuentwickeln.

In unsere Anlagevermögensbewirtschaftung haben wir insgesamt 57 fertiggestellte Mietwohnungen in Stuttgart und München aufgenommen. Vor allem durch diese neuen Wohnungen in Verbindung mit erfolgreichen Neuvermietungsabschlüssen konnten wir unsere Jahressollmieteinnahmen um 1,9 % auf € 91,0 Mio. erhöhen (Vorjahr: € 89,3 Mio.), obwohl wir nach Ausbruch der Pandemie weitgehend auf Mieterhöhungen verzichtet haben. Die durchschnittliche Nettokaltmiete beträgt aktuell 9,41 €/m². Dies bestätigt erneut die hohe Attraktivität des GWG-Portfolios in den Metropolregionen Deutschlands, in denen qualitativ hochwertiger Wohnraum nachhaltig gefragt ist. Zudem wurde 2020 innerhalb der GWG-Gruppe mit € 62,4 Mio. kräftig in das Anlagevermögen investiert (Vorjahr € 37,6 Mio.).

Die vermietbare Fläche belief sich zum Jahresende auf 755.794 m² und liegt damit weitgehend auf Vorjahresniveau. Im Bau befanden sich zum Stichtag 409 Mietwohnungen in Hamburg und Denkendorf. Besonders hervorzuheben ist hierbei das „Quartier der Generationen“ in der Hamburger HafenCity, mit dem wir durch ausschließlich öffentlich geförderten bzw. mietpreisgedämpften Wohnraum aktiv gegen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Städten vorgehen. Die Baufortschritte befinden sich überall im Plan. Zusätzlich läuft die Bauvorbereitung für über 360 Wohneinheiten in Sindelfingen, München-Schwabing und Hamburg-Langenhorn. Darüber hinaus pflegen wir unsere Bestände und kümmern uns um die Instandhaltung. In die laufende Instandhaltung und komplexere geplante Maßnahmen wurden 2020 € 14,4 Mio. investiert, also noch einmal € 2 Mio. mehr als im Vorjahr.

Mit dem Verkauf von 16 Bestandswohnungen und drei Gewerbeeinheiten haben wir unsere Portfoliooptimierung erfolgreich fortgeführt. Innerhalb des Bauträgergeschäfts sind – analog des Berichtsjahrs 2019 – weiterhin 84 Wohnungen im Bau. Der Vertrieb dieser Einheiten läuft dabei sehr erfreulich. Unsere WEG-Verwaltung betreut derzeit rd. 2.500 Wohnungen zzgl. Garagen.

Der Vorstand

„Wirtschaftlicher Erfolg braucht engagierte Mitarbeiter und die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit."

In unserer 70-jährigen Unternehmensgeschichte haben wir immer wieder die passenden Antworten auf die Fragen der Zeit geben können. Die GWG-Gruppe ist ein Traditionsunternehmen, das an seinen Werten festhält und der Firmenphilosophie treu bleibt, aber gleichzeitig flexibel genug ist, um den Herausforderungen der Zeit zu begegnen. Vom ursprünglich gemeinnützigen Auftrag, schnell viele und bezahlbare Wohnungen zu schaffen, über die Entlassung aus der Gemeinnützigkeit und der Ausrichtung auf ein marktwirtschaftliches Unternehmen bis hin zum bundesweiten Wachstum nach dem Einstieg der R+V-Versicherungsgruppe hat die GWG-Gruppe eine spannende Geschichte erlebt und mit gestaltet, in der sie immer wieder die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt hat und auf diese Weise zu einem bedeutenden mittelständischen Unternehmen innerhalb der deutschen Wohnungswirtschaft geworden ist. Welche Antworten die GWG im Laufe der Jahre ihren Anspruchsgruppen wie z. B. Mietern, Mitarbeitern, Geschäftspartnern und den Städten und Gemeinden, in denen sie tätig ist, gegeben hat und was sie für die Zukunft plant, erfahren Sie im Auftaktteil dieses Geschäftsberichts.

Wir schreiben die Erfolgsgeschichte weiter

Das Fundament für unsere positive Entwicklung sind unsere engagierten Mitarbeiter. Diesen bieten wir zahlreiche Incentives und moderne und zukunftsfähige Arbeitsplätze, denn wir wollen auch weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber bleiben. Ein wichtiger Schritt hierbei war der Umzug in unsere neue Zentrale in der Börsenstraße 3 in der Stuttgarter Innenstadt. Die von der Volksbank Stuttgart angemieteten Etagen wurden umfangreich renoviert und bieten nun zeitgemäße Flächen, die zum Coworking oder der gemeinsamen Pause mit den Kollegen einladen. Die Arbeitsplätze sind ergonomisch gestaltet und allesamt mit elektrisch höhenverstellbaren Tischen versehen, sodass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesundheitlich bestmöglich bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Die zahlreichen Besprechungsräume und Meeting-Inseln sind mit moderner Präsentations- und Kommunikationstechnik ausgestattet. Die zentrale Lage im Herzen Stuttgarts bietet unseren Mitarbeitenden alle Annehmlichkeiten und ist zudem sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, was wiederum perfekt zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie passt.

Um uns auch im Bereich der CO2-Optimierung weiter zu professionalisieren, sind wir im Jahr 2020 der „Initiative Wohnen.2050“ beigetreten. Die Initiative ist ein Zusammenschluss von Wohnungsunternehmen, die gemeinsam daran arbeiten, die Voraussetzungen für eine klimaneutrale Zukunft zu schaffen. Die aus dieser Zusammenarbeit gewonnenen Erkenntnisse werden wichtige Eckpfeiler für die Erarbeitung unserer eigenen Klimastrategie darstellen.

Wir freuen uns sehr darüber, dass unser Compliance Management System (CMS) im November 2020 durch das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft e.V. im Rahmen einer Erstauditierung erfolgreich zertifiziert wurde. Die Grundlage der Prüfung bildete ein Pflichtenheft bestehend aus den Modulen „Grundwerte“, „Compliance Risikoanalyse“, „Verbindlichkeit“, „Kommunikation“ und „Monitoring“. Darüber hinaus ist die Etablierung eines Tax-CMS erfolgt. Dies ist Ausdruck unseres Selbstverständnisses, ein auf Integrität ausgerichtetes Unternehmen zu sein, dessen Handlungen durch Führungskräfte und Mitarbeitende sich strikt an Gesetz, Recht und Ethik ausrichten.

Und auch unser soziales Engagement wurde im vergangenen Jahr besonders gewürdigt. So wurde unser Spendenkonzept „Ein Zuhause für alle“, das u.a. Geldspenden, Social Days und ein soziales Stundenkonto beinhaltet, für den immobilienmanager-Award in der Kategorie „Social Responsibility“ nominiert. Hier haben wir es unter die besten drei Bewerber geschafft.

 

Ein besonderes Jahr

Letztes Jahr hatten wir an genau dieser Stelle geschrieben, dass wir das Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie als ein außergewöhnliches Jahr in Erinnerung behalten werden. So ist es auch gekommen. Wir freuen uns sehr, dass wir gut durch dieses schwierige Jahr gekommen sind. Auf unseren Baustellen wurde weiterhin gearbeitet und wir mussten nur wenige Mietausfälle verzeichnen. Im Bauträgergeschäft hatte die Nachfrage im Frühjahr vorübergehend etwas nachgelassen, aber anschließend wieder Fahrt aufgenommen. Wir sind uns bewusst, dass die Folgen der Pandemie in wirtschaftlicher und gesellschaftlich-sozialer Hinsicht noch längst nicht überwunden sind und wir es auch im laufenden Geschäftsjahr sowie wahrscheinlich auch darüber hinaus mit vielfältigen Herausforderungen zu tun haben werden

Um auch unseren Wohn- und Gewerbemietern ein verlässlicher Partner zu sein und soziale Härten abzufedern, haben wir bereits zu Beginn der Pandemie ein umfangreiches Maßnahmen- und Unterstützungspaket erarbeitet, zu dem u.a. der Verzicht auf Mieterhöhungen, individuelle Ratenzahlungen oder Stundungen sowie großzügige Regelungen bei Mieterwechseln gehören. Als verantwortungsbewusster Vermieter sind diese Maßnahmen für uns selbstverständlich und sie sorgen dafür, dass unsere Mieterschaft auch in schwierigen Zeiten ein sicheres Zuhause erhält.

So herausfordernd das Jahr auch war, so gut konnten wir es dank unserer schon zuvor stringent geführten Risikovorsorge, unseren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem lösungsorientierten Betriebsrat und einem starken Gesellschafter meistern. Zum erweiterten Risikomonitoring wird seit Beginn der Pandemie eine interdisziplinär aufgestellte Gruppe eingesetzt, die ein- bis zweiwöchentlich die aktuelle Lage beobachtet, bewertet und Maßnahmen für das weitere Vorgehen ableitet. Um unserer Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nachzukommen, haben wir bereits frühzeitig auf die sich zuspitzende Lage reagiert und umfangreiche Maßnahmen getroffen, zu denen auch redundante Notbesetzungen zur jederzeitigen Sicherstellung des Geschäftsbetriebs gehören. Als wichtigste Maßnahme der Pandemie-Strategie wurde bereits ab März 2020 weitgehend auf mobiles Arbeiten umgestellt sowie für Mitarbeitende in den Büros auf Vereinzelung und strenge Hygieneregeln geachtet. Die GWG hat somit alle Vorgaben zum Arbeitsschutz umgesetzt bzw. diese teilweise noch deutlich erweitert oder früher etabliert als es gefordert war.

Möglich war dies alles, weil wir uns bereits weit vor der Pandemie organisatorisch neu und zeitgemäß aufgestellt haben: Mobiles Arbeiten und flexible Arbeitszeiten waren schon durch entsprechende Betriebsvereinbarungen unterlegt und digitale Arbeitsplattformen mussten nicht erst aufgebaut werden, sondern waren bereits zuvor etabliert. Zugleich war die Digitalisierung der internen Prozesse durch bereits seit Jahren laufende Projekte weit fortgeschritten, z. B. durch einen digitalen Posteingang und ein Ticketsystem. Somit war die komplette Umstellung auf mobiles Arbeiten mit vergleichsweise wenig Aufwand verbunden und verlief reibungslos. Diesen Weg der Optimierung unserer Prozesse unter Ausnutzung der Möglichkeiten der Digitalisierung werden wir auch weiterhin konsequent fortsetzen. 

Die Folgen der Corona-Pandemie sind – auch ein Jahr später – noch längst nicht absehbar. Somit bleibt weiterhin eine Ungewissheit im Hinblick auf die künftigen Entwicklungen. Gleichwohl sind wir zuversichtlich, dass wir mithilfe unserer engagierten Mitarbeitenden, einer vorausschauenden Unternehmensplanung und eines stringenten Risikomanagements auch weiterhin die vor uns liegenden Herausforderungen meistern werden.  Für das Geschäftsjahr 2021 rechnen wir mit einem Ergebnis vor Ertragsteuern in Höhe von € 20,0 Mio. bis € 22,0 Mio.

ANDREAS ENGELHARDT (links) FLORIAN PREIßLER (rechts)

Ein herzliches Dankeschön

möchten wir an unsere Geschäftspartner richten, die im letzten Jahr mit uns gearbeitet und zum Erreichen unserer Ziele beigetragen haben. Unserem Aufsichtsrat möchten wir für die vertrauensvolle Zusammenarbeit danken. Lassen Sie uns auch weiterhin gemeinsam die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen.

 

Ein großes Dankeschön geht zudem an den Betriebsrat, der in diesem herausfordernden Jahr jederzeit tatkräftig und konstruktiv an den bestmöglichen Lösungen zur Erhaltung des Geschäftsbetriebs sowie dem Schutz der Belegschaft mitgearbeitet hat. Die größte Anerkennung gebührt jedoch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die trotz hoher Belastung jederzeit souverän mit dieser Ausnahmesituation umgegangen sind. Herzlichen Dank hierfür!

Im April 2021

Mit freundlichen Grüßen
 

Der Vorstand

Andreas Engelhardt
Vorstandsvorsitzender

Florian Preißler
Vorstandsmitglied